Du brauchst keine Maske. Sei so wie Du bist.

Meine Maske und ich

Titelbild: eigene Aufnahme

Heute ist Halloween: ein guter Zeitpunkt um über die Maske zu schreiben, die wir tagtäglich tragen.

Vor zwei Wochen bin ich auf eine Messe gegangen, um im Rahmen meiner geplanten Selbstständigkeit nach Unternehmen und potenziellen Kunden zu recherchieren.

Ich stand morgens vor meinem Schrank und hatte schon einen Anzug in der Hand – überlegte es mir dann aber doch anders und entschied mich für Jeans und Lederjacke. Verkleidet hatte ich mich wahrlich lange genug. Und das betraf nicht nur die Kleidung.

Eine kleine Ewigkeit hab ich im Beruf eine Rolle gespielt und mich so gut es ging verstellt.

Maske auf und Rolle spielen

Das fing schon im Vorstellungsgespräch an. Da zwängte ich mich in ein Business-Kostümchen, in dem ich mich fühlte wie meine eigene Mutter und überzeugte mit einer Selbstsicherheit, die mir sogar selbst fremd war. Als ich den Job dann bekommen hatte ging es weiter: Niemand dort wusste von meinem Burnout und meinem Aufenthalt in der psychosomatischen Klinik ein paar Monate zuvor. Ich vermied allzu privaten Kontakt, um diesen „Makel“ nicht preisgeben zu müssen. Keiner sollte von meiner gestrandeten Existenz erfahren. Immer alles schön vertuschen!

Ich fuhr also täglich ins Büro und spielte meine Rolle, wie eine Schauspielerin in einer schlechten Daily Soap. Dabei merkte ich, wieviel Energie es eigentlich kostete, sich ständig zu verstellen. Wie gerne wäre ich offen gewesen und hätte gesagt:

„Ich war noch bis vor ein paar Monaten ausgebrannt und aufgrund von Depressionen für ein paar Wochen in einer Klinik. Aber jetzt geht es mir wieder gut und ich freue mich darauf, in diesem schönen Job neu anzufangen. Allerdings hat mein Selbstwertgefühl stark gelitten, deswegen bin ich zur Zeit ein sehr unsicherer und sensibler Mensch. Gut in meiner Arbeit bin ich aber trotzdem. Das Eine hat mit dem Anderen nämlich nichts zu tun!“

Aber ich trug brav meine Maske und spielte meine Rolle.

Frei sein ohne Maske

Im Nachhinein bin ich froh, dass ich mich nicht mehr verstellen muss. Und ich habe mir deshalb auch selbst das heilige Versprechen gegeben: Ich werde keine Maske mehr aufziehen. Weder beruflich noch privat.

Ich bin nämlich total OK so wie ich bin. Mit all meinen Schwächen und Unsicherheiten. (Was mich aber noch lange nicht zum Opfer macht, klar?!)

Maskenlos und frei!

Warum tragen wir eigentlich diese Masken?

Als Säugling oder Kleinkind tragen wir noch keine Maske. Kinder sind ehrlich und authentisch. Erst mit der Zeit lernen wir, uns zu verstellen. Aber warum?

Um zu manipulieren: Wir lernen uns zu verstellen, um z.B. etwas Bestimmtes zu bekommen. Auf berechnende Art und Weise spielen wir eine Rolle, zu unserem eigenen Vorteil.

Um uns zu schützen: Unsere Maske liefert uns (vermeintlichen) Schutz, um persönliche Angriffe von Anderen abzuwehren. Um unsere Verletzlichkeit nicht zeigen zu müssen, tragen manche von uns nicht nur Masken – wir errichten sogar ganze Mauern um uns herum.

Weil wir denken, wir sind nicht gut genug: „So wie ich bin, bin ich schlecht“, denken wir. Wir wollen gerne gefallen – entweder ganz bestimmten Menschen oder gleich Allen. Dabei haben wir eine ganz konkrete Vorstellung, wie dieses „perfekte Ich“ zu sein hat und verbiegen uns bis zur Unkenntlichkeit:

  • Wir gaukeln Selbstsicherheit vor, obwohl wir unsicher sind.
  • Wir machen gute Miene zum bösen Spiel, obwohl wir innerlich vor Wut platzen.
  • Wir sagen nicht unsere Meinung, obwohl wir mit etwas nicht einverstanden sind.
  • Wir lachen, obwohl wir traurig sind. („Alles supi in meinem Leben!“)

Auch wenn wir uns noch so anstrengen, diesen Idealzustand von uns erreichen wir nie – und das macht uns unglücklich.

Erst wenn wir unsere Maske abnehmen und uns trauen, authentisch zu sein, merken wir, wie sehr sie uns vorher eigentlich die Luft zum Atmen genommen hat.

Lass uns Halloween feiern: Nimm Deine Maske ab – nur für heute

Machen wir es doch heute genau anders als alle Anderen: Wir nehmen unsere Masken einfach mal ab.

Überlege Dir etwas, wobei Du Dich schon länger verstellst:

  • Musst Du bei der Arbeit Anzüge tragen, in denen Du Dich unwohl fühlst?
  • Gibst Du Dich im Freundeskreis selbstsicherer als Du bist um „dazuzugehören“?
  • Hast Du ein Geheimnis, dass Dich belastet, Du aber für Dich behältst?
  • Spielst Du nach außen die Rolle einer glücklichen Frau, obwohl Du Dich innerlich alleine und hilflos fühlst?

Und jetzt denke nach: Wenn Du nur heute so wärst, wie Du wirklich bist, was würdest Du tun?

  • Würdest Du heute Turnschuhe und Jeans tragen?
  • Würdest Du eine Schwäche eingestehen?
  • Würdest Du einen bestimmten Menschen in Dein Geheimnis einweihen?
  • Würdest Du jemanden um Hilfe bitten?

Ehrlich zu zeigen wie und wer wir sind erfordert Mut.

Trau Dich! Sei frei! Zeig Dein wahres Ich! Es ist großartig!

Du bist toll, so wie Du bist!

„Wir alle tragen Masken, und es kommt der Zeitpunkt, an dem wir sie nicht mehr abnehmen können, ohne dabei Stücke unserer Haut mit abzutrennen“. (André Berthiaume)

Anm.: Dieser Blogbeitrag erschien ursprünglich am 31. Oktober 2016 auf meinem ehemaligen Blog „Krone-richten“.